Glossar

Inkunabel.

Auch: Wiegendruck, Inkunabeln, Frühdruck

Druckwerk aus der Frühzeit des Buchdrucks mit beweglichen Lettern, genauer: vor dem 1. Januar 1501 gedruckt. Der Begriff leitet sich vom lateinischen „cunabula“ (Wiege, Windeln) ab, deshalb spricht man im Deutschen auch von Wiegendrucken.


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Erklärung

Die Grenze zum Jahr 1500 ist eine bibliothekarische Konvention, keine technische Zäsur. Sie hat sich durchgesetzt, weil in dieser ersten Epoche des europäischen Buchdrucks – beginnend mit Gutenbergs Werkstatt in Mainz – die Grundformen des gedruckten Buches entstanden.

  • Viele Inkunabeln orientieren sich optisch stark an Handschriften: Schriften, Seitenaufbau und Abkürzungen wurden übernommen.
  • Ein eigenes Titelblatt fehlt bei frühen Inkunabeln meist; Angaben zu Drucker, Ort und Jahr stehen, wenn überhaupt, am Ende im sogenannten Kolophon.
  • Initialen und Rubriken (rote Hervorhebungen) wurden häufig nachträglich von Hand eingefügt.
  • Illustrationen entstanden meist als Holzschnitte.

Drucke aus den ersten Jahrzehnten nach 1500 werden gelegentlich als Postinkunabeln bezeichnet; die zeitliche Abgrenzung ist dabei nicht einheitlich. Inkunabeln sind heute vor allem in großen Bibliotheken erhalten und werden dort in eigenen Katalogen erfasst.


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Siehe auch

Gutenberg-Bibel
Lateinische Bibel, die Johannes Gutenberg mit seiner Werkstatt in Mainz mit beweglichen Metalllettern druckte; sie war um die Mitte der 1450er-Jahre fertiggestellt. Sie gilt als erstes großes gedrucktes Buch Europas und ist nach den 42 Zeilen pro Spalte auch als B42 bekannt.
Handgießinstrument
Von Johannes Gutenberg entwickeltes Werkzeug, mit dem sich Drucktypen aus Metall in großer Zahl und mit einheitlicher Höhe gießen ließen. Zusammen mit Matrizen und einer Legierung auf Bleibasis war es eine Schlüsselerfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern.
Initiale
Hervorgehobener, meist vergrößerter Anfangsbuchstabe am Beginn eines Textes oder Kapitels, der sich oft über mehrere Zeilen erstreckt. In mittelalterlichen Handschriften und frühen Drucken wurden Initialen häufig von Hand gemalt und verziert.
Holzschnitt
Hochdrucktechnik, bei der alle nicht druckenden Stellen aus einem Holzblock herausgeschnitten werden, sodass das Motiv erhaben stehen bleibt. In Europa ist der Holzschnitt auf Papier seit etwa 1400 belegt und diente vor und neben dem Buchdruck zur Illustration von Drucken.
Kolophon
Schlussvermerk am Ende eines frühen Druckwerks oder einer Handschrift mit Angaben etwa zu Drucker, Druckort und Datum. In vielen Inkunabeln übernahm das Kolophon die Angaben, die später auf dem Titelblatt standen; heute steht Vergleichbares im Impressum.


Stand: