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Barrierearme Drucksachen: lesbar für möglichst viele Menschen

Schriftgröße, Kontrast, Papier und verständliche Sprache: Mit welchen Mitteln Broschüren, Flyer und Formulare für Menschen mit Seh- oder Leseeinschränkungen besser zugänglich werden.

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Viele Menschen haben Schwierigkeiten mit klein gedruckten, kontrastarmen oder kompliziert formulierten Texten — ältere Menschen, Menschen mit Sehbehinderung oder Farbsehschwäche, mit Lernschwierigkeiten oder mit geringen Deutschkenntnissen. Barrierearme Gestaltung hilft ihnen, macht Drucksachen aber auch für alle anderen angenehmer zu lesen. Vollständige Barrierefreiheit für jede Einschränkung erreicht eine einzelne Drucksache selten; deshalb ist oft von „barrierearm“ die Rede.

Schrift und Schriftgröße

  • Größe: Für barrierearme Drucksachen wird Fließtext häufig ab etwa 12 pt empfohlen, für Menschen mit Sehbehinderung eher größer. Maßgeblich ist die tatsächliche Wirkung: Schriften mit großer x-Höhe wirken bei gleichem Punktwert größer.
  • Schriftart: klare, gut unterscheidbare Buchstabenformen. Serifenlose Schriften werden oft empfohlen; wichtiger ist, dass Zeichen wie I, l und 1 oder O und 0 nicht verwechselt werden.
  • Schriftschnitt: normal oder halbfett für den Text. Sehr dünne Schnitte, Kursive und lange Passagen in Großbuchstaben erschweren das Lesen.
  • Satz: linksbündiger Flattersatz statt Blocksatz, damit keine ungleichmäßigen Wortabstände entstehen; ausreichender Zeilenabstand; nicht zu lange Zeilen.
  • Kein Text auf unruhigen Bildern oder Mustern.

Die allgemeinen Regeln zu Schriftgrad, Zeilenabstand und Zeilenlänge finden Sie in den Typografie-Grundlagen. Barrierearme Gestaltung setzt diese Werte eher großzügiger an.

Kontrast und Farbe

  • Hoher Helligkeitskontrast zwischen Schrift und Hintergrund, am besten dunkle Schrift auf hellem Grund.
  • Hellgraue Schrift, Pastelltöne auf Weiß oder farbige Schrift auf farbigem Grund vermeiden.
  • Informationen nie allein über Farbe vermitteln: Rot und Grün sind für Menschen mit Rot-Grün-Sehschwäche kaum zu unterscheiden. Ergänzen Sie Symbole, Beschriftungen oder Muster.
  • Negativschrift (hell auf dunkel) nur für kurze Texte und in ausreichender Größe und Stärke verwenden.
  • Kontrast am Ausdruck prüfen, nicht nur am Bildschirm — gedruckte Farben wirken oft dunkler und weniger leuchtend.

Papier und Verarbeitung

Glänzende Papiere und Folien können spiegeln und so das Lesen erschweren. Matte oder ungestrichene Papiere sind die bessere Wahl. Das Papier sollte so stark sein, dass die Rückseite nicht durchscheint. Bei Broschüren erleichtert eine Bindung, die flach aufliegt, das Lesen — etwa Wire-O oder eine gut aufschlagende Klebebindung. Formulare brauchen ausreichend große Felder zum Ausfüllen von Hand.

Struktur und Orientierung

  • Klare Überschriften und eine erkennbare Gliederung.
  • Wichtiges zuerst, kurze Absätze, Aufzählungen statt Textblöcke.
  • Einheitliche Gestaltung wiederkehrender Elemente, etwa Kontaktangaben oder Hinweise.
  • Seitenzahlen gut sichtbar; bei längeren Dokumenten ein Inhaltsverzeichnis.
  • Bilder und Piktogramme, die den Text unterstützen, nicht ersetzen.

Verständliche Sprache

Barrieren entstehen nicht nur durch Gestaltung, sondern auch durch Sprache. Zwei Ansätze werden häufig unterschieden: Einfache Sprache ist eine allgemein verständliche Sprache mit kurzen Sätzen, gebräuchlichen Wörtern und klarer Struktur. Leichte Sprache folgt festen Regeln und richtet sich vor allem an Menschen mit Lernschwierigkeiten: sehr kurze Sätze mit meist nur einer Aussage, bekannte Wörter, Erklärungen schwieriger Begriffe, oft Trennungen langer Wörter durch Bindestrich oder Mediopunkt und unterstützende Bilder. Texte in Leichter Sprache werden häufig von Fachleuten übersetzt und von Menschen aus der Zielgruppe geprüft.

Brailleschrift und tastbare Elemente

Für blinde Menschen gibt es die Brailleschrift, eine Punktschrift, deren Zeichen aus bis zu sechs erhabenen Punkten bestehen. Sie begegnet vielen Menschen etwa auf Arzneimittelverpackungen. Brailleschrift kann in Papier oder Karton geprägt oder mit erhabenen Lacken aufgebracht werden, zum Beispiel im Siebdruck. Damit sie lesbar ist, müssen Punktgröße, Punktabstand und Punkthöhe stimmen — das ist Aufgabe spezialisierter Anbieter oder Druckereien mit Erfahrung. Für ausführliche Informationen setzen viele Organisationen statt Braille-Drucksachen auf digitale, barrierefreie Dokumente oder Audio-Angebote.

Gedruckt und digital

Wird eine Drucksache zusätzlich als PDF im Internet angeboten, sollte auch die digitale Fassung zugänglich sein, etwa mit Textebene, Lesereihenfolge, Überschriftenstruktur und Alternativtexten für Bilder, damit Screenreader sie vorlesen können. Die Druck-PDF ist dafür in der Regel nicht geeignet; planen Sie die digitale Fassung von Anfang an mit ein. Ein Hinweis in der gedruckten Fassung auf alternative Formate — etwa Großdruck, Leichte Sprache oder Audio — hilft Menschen, die das Druckstück nicht nutzen können.