Planung

Buch selbst verlegen: Satz, Umschlag, ISBN und Druck

Der Weg vom Manuskript zum gedruckten Buch im Self-Publishing: Buchsatz, Umschlag mit Rückenbreite, ISBN, Pflichtexemplare und die Wahl zwischen Auflagendruck und Print-on-Demand.

Veröffentlicht am 4 min Lesezeit

Ob Roman, Familienchronik, Sachbuch oder Gedichtband: Ein Buch selbst herauszugeben ist heute ohne Verlag möglich. Wer selbst verlegt, übernimmt aber auch die Aufgaben, die sonst ein Verlag erledigt — vom Lektorat über den Satz bis zur Frage, wie das Buch in den Handel kommt. Dieser Beitrag konzentriert sich auf die drucktechnischen und formalen Schritte.

Vor dem Satz: Manuskript und Lektorat

Korrekturen sind vor dem Satz am einfachsten. Lassen Sie den Text von mindestens einer weiteren Person lesen, idealerweise von einem professionellen Lektorat oder Korrektorat. Jede Änderung nach dem Umbruch kann Seiten verschieben und damit Inhaltsverzeichnis, Register und im Extremfall die Rückenbreite verändern.

Buchsatz: mehr als ein Textdokument

Ein Buch liest sich angenehm, wenn der Satz ruhig und einheitlich ist. Textverarbeitungen sind dafür nur bedingt gemacht; für anspruchsvollere Bücher werden Layoutprogramme oder spezialisierte Satzsysteme verwendet. Grundlegende Regeln erläutert der Beitrag „Typografie-Grundlagen für Drucksachen“.

  • Format festlegen, bevor gesetzt wird. Verbreitet sind Formate um A5 oder etwas schmaler; verfügbare Formate hängen von der Druckerei ab.
  • Satzspiegel mit ausreichend Innenrand (Bund) anlegen, damit Text bei der Klebebindung nicht in der Mitte verschwindet.
  • Eine gut lesbare Werkschrift in passender Größe und mit ausreichendem Zeilenabstand wählen.
  • Silbentrennung aktivieren und einzelne Zeilen am Seitenanfang oder -ende (Hurenkinder und Schusterjungen) vermeiden.
  • Die Titelei vorsehen: Schmutztitel, Titelseite, Impressum, gegebenenfalls Widmung und Inhaltsverzeichnis.
  • Die Gesamtseitenzahl so planen, wie die Druckerei es verlangt — gerade ist sie immer, häufig wird eine durch vier teilbare Seitenzahl verlangt, im Offsetdruck teils auch ein größeres Vielfaches. Fehlende Seiten füllen Sie mit Vakatseiten.

Umschlag mit Rückenbreite

Der Umschlag wird als eine zusammenhängende Datei angelegt: Rückseite, Buchrücken und Vorderseite nebeneinander, bei Hardcover zusätzlich mit Einschlag. Die Breite des Rückens ergibt sich aus Seitenzahl und Papierstärke. Da Papiere gleicher Grammatur unterschiedlich dick sein können, sollte die Rückenbreite immer von der Druckerei berechnet werden, und zwar erst, wenn Seitenzahl und Papier feststehen.

  • Rückentext nur, wenn der Rücken breit genug ist. Im deutschsprachigen Raum sind beide Leserichtungen des Rückentitels verbreitet, von unten nach oben und von oben nach unten — entscheiden Sie sich bewusst.
  • Auf der Rückseite Platz für den Strichcode der ISBN einplanen.
  • Anschnitt rundum sowie die Umschlagvorgaben der Druckerei (bei Hardcover etwa Einschlag und Gelenk) beachten.
  • Motive auf dem Rücken nicht exakt an die Rückenkante setzen; kleine Toleranzen beim Binden sind normal.

ISBN: Wann Sie eine brauchen

Die ISBN (Internationale Standardbuchnummer) identifiziert eine bestimmte Ausgabe eines Buches. Sie ist keine gesetzliche Pflicht, aber praktisch Voraussetzung, wenn das Buch über den Buchhandel bestellbar sein soll. Jede Ausgabe braucht eine eigene Nummer — Taschenbuch, Hardcover und E-Book also jeweils eine. Auf dem Umschlag wird die ISBN als EAN-Strichcode abgebildet.

In Deutschland vergibt die nationale ISBN-Agentur die Nummern, in Österreich und der Schweiz gibt es jeweils eigene Stellen. Viele Self-Publishing-Dienstleister bieten zusätzlich eine eigene ISBN an; dann erscheinen sie in der Regel als Verlag im Titeldatensatz. Prüfen Sie, welche Variante für Ihr Vorhaben passt.

Pflichtexemplare

In vielen Ländern müssen veröffentlichte Werke an die Nationalbibliothek abgeliefert werden, damit sie dauerhaft gesammelt und archiviert werden. In Deutschland ist das die Deutsche Nationalbibliothek; je nach Bundesland kann zusätzlich eine Abgabe an eine regionale Bibliothek vorgeschrieben sein. Österreich und die Schweiz haben eigene Regelungen. Informieren Sie sich auf der Website der zuständigen Nationalbibliothek über Anzahl, Fristen und Ausnahmen, und planen Sie die Exemplare in der Auflage ein.

Auflagendruck oder Print-on-Demand?

AuflagendruckPrint-on-Demand
Prinzipfeste Menge auf einmalDruck je Bestellung
Stückkostensinken mit der Auflagegleichbleibend, meist höher
Lager und Versandselbst organisierenübernimmt meist der Dienstleister
Ausstattunggroße Auswahl an Papier, Bindung, Veredelungeingeschränkt auf Standardoptionen
RisikoRestbestand möglichkein Restbestand

Print-on-Demand eignet sich, wenn die Nachfrage unsicher ist oder das Buch dauerhaft lieferbar bleiben soll, ohne Kartons im Keller. Ein Auflagendruck lohnt sich, wenn Sie Bücher selbst verkaufen, etwa bei Lesungen, oder besondere Ausstattung wünschen. Wie sich Kosten mit der Auflage verändern, erklärt der Beitrag „Auflage und Kosten“. Welcher Weg günstiger ist, lässt sich nur mit konkreten Angeboten vergleichen.

Checkliste

  1. Manuskript fertigstellen und lektorieren lassen.
  2. Format, Papier, Bindung und Druckweg festlegen, Angebote einholen.
  3. Buchsatz erstellen, Korrekturgang am Umbruch.
  4. ISBN beantragen oder über den Dienstleister beziehen.
  5. Rückenbreite von der Druckerei berechnen lassen, Umschlag anlegen.
  6. Druck-PDFs nach den Vorgaben erstellen, Proof oder Probeexemplar prüfen.
  7. Auflage freigeben, Pflichtexemplare abliefern.
Brauche ich für ein Buch im Familienkreis eine ISBN?
Nein. Wenn das Buch nicht über den Handel verkauft werden soll, ist eine ISBN nicht nötig.
Welches Papier ist für Romane üblich?
Häufig werden ungestrichene Werkdruckpapiere in Weiß oder leichtem Cremeton verwendet, weil sie angenehm lesbar sind und wenig spiegeln. Für Bildbände eignen sich eher gestrichene Papiere.
Kann ich das Buch später ändern?
Bei Print-on-Demand lassen sich Korrekturen meist mit neuen Druckdaten einspielen. Bei wesentlichen inhaltlichen Änderungen kann eine neue Auflage oder Ausgabe sinnvoll sein; ob eine neue ISBN nötig ist, hängt vom Umfang der Änderung ab.