Farbe

Rasterung und Auflösung: Wie aus Bildern Druckpunkte werden

Warum Druckmaschinen keine Grautöne kennen, was Rasterweite und Rasterwinkel bedeuten und wie dpi, ppi und lpi zusammenhängen.

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Eine Druckmaschine kann an einer Stelle nur zweierlei: Farbe auftragen oder keine Farbe auftragen. Stufenlose Übergänge, wie sie ein Foto enthält, gibt es im Offsetdruck und in den meisten Digitaldruckverfahren nicht. Damit trotzdem Hauttöne, Schatten und Verläufe entstehen, wird das Bild in winzige Punkte zerlegt — es wird gerastert. Aus normaler Betrachtungsentfernung verschmelzen diese Punkte im Auge zu scheinbar gleichmäßigen Tonwerten.

Rasterpunkte und Tonwerte

Wie hell oder dunkel eine Fläche wirkt, hängt davon ab, wie viel Prozent des Papiers mit Farbe bedeckt sind. Dieser Flächenanteil heißt Tonwert: 0 % ist blankes Papier, 100 % ist Vollton. Ein 40-%-Magenta etwa besteht aus Magenta-Punkten, die zusammen 40 % der Fläche bedecken. Im Vierfarbdruck liegen die Raster von Cyan, Magenta, Gelb und Schwarz übereinander und erzeugen so die Mischfarben.

Im Druck werden Rasterpunkte meist etwas größer, als sie in der Datei angelegt sind, weil die Farbe sich auf dem Papier ausbreitet. Dieser Tonwertzuwachs ist auf ungestrichenem Papier stärker als auf gestrichenem und wird über die Farbprofile der Druckerei berücksichtigt (mehr dazu im Artikel zu Farbprofilen).

Amplitudenmodulierte und frequenzmodulierte Rasterung

Es gibt zwei grundsätzliche Wege, Tonwerte in Punkte zu übersetzen:

AM-Raster (amplitudenmoduliert)FM-Raster (frequenzmoduliert)
PrinzipPunkte sitzen in einem festen Gitter; der Tonwert wird über die Punktgröße gesteuert.Sehr kleine Punkte gleicher Größe; der Tonwert wird über die Anzahl bzw. Dichte der Punkte gesteuert.
Anordnungregelmäßig, mit Rasterweite und Rasterwinkelscheinbar zufällig verteilt, kein festes Gitter
Stärkenbewährt, gut beherrschbar, stabil im Druckprozessfeine Details, kein Rastermoiré zwischen den Farben
SchwächenMoiré möglich, bei grober Rasterweite sichtbare Punktstrukturhöhere Anforderungen an Belichtung und Druck, Flächen können unruhig wirken

Im Akzidenzdruck ist die AM-Rasterung nach wie vor der Normalfall. Daneben gibt es Hybridraster, die beide Prinzipien kombinieren, etwa FM-artige Punkte in sehr hellen und sehr dunklen Tönen. Welches Raster verwendet wird, entscheidet in der Regel die Druckerei — Kunden müssen dafür nichts in ihren Daten einstellen.

Rasterweite: lpi und Linien pro Zentimeter

Die Rasterweite gibt an, wie dicht die Rasterpunkte beim AM-Raster nebeneinanderliegen. Im deutschsprachigen Raum wird sie in Linien pro Zentimeter (L/cm) angegeben, international in lines per inch (lpi). Ein „60er Raster“ hat 60 Linien pro Zentimeter, das entspricht rund 150 lpi (1 Zoll = 2,54 cm). Je höher die Rasterweite, desto feiner die Punkte und desto weniger ist vom Raster zu sehen.

  • Zeitungsdruck auf saugfähigem Papier arbeitet mit vergleichsweise groben Rastern.
  • Für ungestrichene Naturpapiere sind mittlere Rasterweiten üblich, weil die Punkte stärker verlaufen.
  • Auf gestrichenem Papier im Bogenoffset sind Rasterweiten um 60 bis 70 L/cm verbreitet.
  • Großformatige Plakate, die aus der Entfernung betrachtet werden, kommen mit gröberen Rastern aus.

Die konkrete Rasterweite legt die Druckerei passend zu Papier und Maschine fest.

Rasterwinkel und Moiré

Legt man zwei regelmäßige Gitter leicht verdreht übereinander, entstehen störende Überlagerungsmuster — das Moiré. Damit das beim Vierfarbdruck nicht passiert, werden die Raster der einzelnen Farben in unterschiedlichen Winkeln ausgegeben. Die drei kräftigen Farben Cyan, Magenta und Schwarz liegen dabei jeweils 30° auseinander; Gelb, das am wenigsten auffällt, wird mit nur 15° Abstand dazwischengesetzt. Eine verbreitete Belegung ist Schwarz 45°, Magenta 75°, Cyan 15° und Gelb 0°, die genaue Zuordnung variiert je nach Druckerei und Motiv. Das Ergebnis ist ein feines, rosettenartiges Muster, das bei normaler Betrachtung nicht stört.

Moiré kann auch durch das Motiv selbst entstehen: Feine regelmäßige Strukturen wie Stoffmuster, Gitter oder Jalousien können sich mit dem Druckraster überlagern. Ebenso entsteht Moiré, wenn bereits gedruckte Vorlagen eingescannt und erneut gerastert werden. Abhilfe schaffen ein leichtes Weichzeichnen der Struktur, eine veränderte Bildgröße oder — bei Scans — die Entrasterungsfunktion der Scansoftware. FM-Raster sind gegen Moiré weitgehend unempfindlich.

dpi, ppi und lpi: drei Begriffe, drei Bedeutungen

  • ppi (pixels per inch): Auflösung einer Bilddatei, also wie viele Pixel auf einen Zoll im Druckformat kommen.
  • dpi (dots per inch): Auflösung eines Ausgabegeräts, etwa eines Plattenbelichters oder Druckers — wie viele kleinste Belichtungs- oder Druckpunkte es pro Zoll setzen kann. Im Alltag wird dpi oft auch für die Bildauflösung verwendet.
  • lpi (lines per inch): Rasterweite, also die Zahl der Rasterzellen pro Zoll.

Ein Belichter setzt einen Rasterpunkt aus vielen noch kleineren Belichtungspunkten zusammen. Arbeitet er mit 2400 dpi und einem Raster von 150 lpi, stehen pro Rasterzelle 16 × 16 Belichtungspunkte zur Verfügung — genug für 256 Tonwertstufen plus Weiß. Deshalb braucht die Belichterauflösung ein Vielfaches der Rasterweite.

Für reine Strichgrafiken ohne Graustufen, etwa eingescannte Unterschriften oder Strichzeichnungen im Bitmap-Modus, gilt die Faustregel nicht: Sie werden nicht gerastert, sondern direkt belichtet. Hier empfehlen Druckereien deutlich höhere Auflösungen, häufig um 1200 ppi, damit Kanten glatt bleiben. Vektorgrafiken und Schriften sind auflösungsunabhängig und werden erst im RIP in die Ausgabeauflösung umgerechnet.

Muss ich die Rasterweite in meinen Druckdaten einstellen?
Nein. Rasterweite, Rasterwinkel und Rasterart werden bei der Druckerei im RIP festgelegt. Sie liefern Bilder in ausreichender Auflösung und Farben im passenden Farbprofil.
Warum sieht mein Bild auf dem Plakat pixelig aus, obwohl es am Bildschirm scharf war?
Bildschirme zeigen Bilder meist verkleinert an. Entscheidend ist die effektive Auflösung im Endformat: Ein Bild mit 3000 Pixeln Breite erreicht auf einem 30 cm breiten Druck rund 250 ppi, auf 100 cm Breite nur noch etwa 76 ppi.
Reichen für große Plakate weniger als 300 ppi?
Oft ja, weil Plakate aus größerer Entfernung betrachtet und gröber gerastert werden. Welche Auflösung ausreicht, gibt die Druckerei für das jeweilige Format an.