Geschichte

Geschichte der Zeitung: vom Flugblatt zum E-Paper

Von den „Newen Zeitungen“ des 16. Jahrhunderts über die Straßburger „Relation“ und die erste Tageszeitung in Leipzig bis zur Massenpresse und zum digitalen Wandel: die Geschichte der gedruckten Zeitung.

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Die Zeitung ist eines der ältesten Massenmedien und zugleich eines der wichtigsten Produkte der Druckindustrie. Ihre Entwicklung hing immer eng mit der Technik zusammen: Schnellere Pressen, billigeres Papier und neue Übertragungswege für Nachrichten haben ihre Form ebenso bestimmt wie Politik und Wirtschaft.

Vorläufer: Briefe, Flugblätter und „Neue Zeitungen“

Das Wort „Zeitung“ bedeutete ursprünglich schlicht „Nachricht“. Lange bevor es regelmäßig erscheinende Blätter gab, tauschten Kaufleute, Fürsten und Städte Nachrichten in handschriftlichen Briefen aus; bekannt sind etwa die gesammelten Nachrichtenbriefe des Augsburger Handelshauses Fugger aus dem späten 16. Jahrhundert.

Mit dem Buchdruck kamen gedruckte Einzelmeldungen hinzu. Flugblätter — einseitig bedruckte Bogen, oft mit einem Holzschnitt — berichteten über Kriege, Naturereignisse, Wunderzeichen oder Verbrechen. Mehrseitige Nachrichtendrucke erschienen häufig unter dem Titel „Newe Zeitung“. Sie behandelten jeweils ein einzelnes Ereignis und erschienen unregelmäßig. Ab dem späten 16. Jahrhundert fassten zudem die sogenannten Messrelationen die Ereignisse eines halben Jahres zusammen und wurden zu den Buchmessen verkauft. Wie wichtig Flugschriften für die Reformation waren, beschreibt der Artikel über die Ausbreitung des Buchdrucks.

Die ersten Zeitungen im 17. Jahrhundert

Als erste Zeitung im heutigen Sinn gilt die „Relation“, die der Straßburger Buchhändler und Drucker Johann Carolus ab 1605 herausgab. Carolus hatte zuvor handschriftliche Nachrichten verbreitet und stellte auf den Druck um. Seine Zeitung erschien wöchentlich und enthielt Meldungen aus verschiedenen Orten Europas — damit erfüllte sie die Merkmale, an denen die Forschung eine Zeitung festmacht: regelmäßiges Erscheinen, Aktualität, allgemein zugänglich und inhaltlich vielfältig. Die ältesten erhaltenen Ausgaben stammen aus dem Jahr 1609.

Ebenfalls 1609 erschien in Wolfenbüttel der „Aviso“. Bald folgten Zeitungen in vielen Städten des Reiches und in anderen Ländern. Die Meldungen waren meist knapp, nach Herkunftsort geordnet und kamen mit der Post, entsprechend oft mit Tagen oder Wochen Verspätung. Als erste Tageszeitung der Welt gilt die „Einkommende Zeitungen“, die Timotheus Ritzsch ab 1650 in Leipzig herausgab.

Zensur und Pressefreiheit

Von Anfang an versuchten Obrigkeiten, die Zeitungen zu kontrollieren. Drucker brauchten Privilegien, Texte mussten vor dem Erscheinen einem Zensor vorgelegt werden, und kritische Berichte über den eigenen Landesherrn waren kaum möglich. Im 18. Jahrhundert entstanden daneben die Intelligenzblätter, amtlich privilegierte Anzeigen- und Mitteilungsblätter.

Die Forderung nach Pressefreiheit wurde zu einem zentralen Anliegen der Aufklärung und der liberalen Bewegungen des 19. Jahrhunderts. In den deutschen Staaten verschärften die Karlsbader Beschlüsse von 1819 die Zensur; die Revolution von 1848 brachte vorübergehende Lockerungen. Das Reichspressegesetz von 1874 schuf ein einheitliches Presserecht für das Deutsche Reich und schrieb die Pressefreiheit grundsätzlich fest. Im Nationalsozialismus wurde die Presse gleichgeschaltet und Journalisten staatlicher Kontrolle unterworfen. In der Bundesrepublik garantiert heute Artikel 5 des Grundgesetzes die Pressefreiheit; auch Österreich und die Schweiz schützen sie in ihren Verfassungen.

Die Massenpresse des 19. Jahrhunderts

Im 19. Jahrhundert wurde die Zeitung zum Massenprodukt. Mehrere Entwicklungen griffen ineinander:

  • Schnellpresse: 1814 wurde die Londoner „Times“ erstmals auf der dampfgetriebenen Zylinderpresse von Friedrich Koenig gedruckt.
  • Rotationsdruck: Rund gebogene Druckplatten und Papier von der Rolle erlaubten ab der zweiten Hälfte des Jahrhunderts sehr hohe Auflagen in kurzer Zeit.
  • Billiges Papier: Holzschliff und Zellstoff ersetzten die knappen Lumpen.
  • Maschinensatz: Die Linotype-Setzmaschine beschleunigte ab den 1880er Jahren den Satz erheblich.
  • Telegrafie und Nachrichtenagenturen: Meldungen kamen in Stunden statt Tagen in die Redaktion.
  • Anzeigen: Werbeeinnahmen finanzierten zunehmend die Zeitungen und ermöglichten niedrige Verkaufspreise.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts entstanden in Deutschland die Generalanzeiger: preisgünstige, politisch meist zurückhaltende Blätter, die sich zu einem großen Teil aus Anzeigen finanzierten und ein breites Publikum erreichten. Großstädte wie Berlin hatten zahlreiche Zeitungen mit mehreren Ausgaben am Tag. Die technischen Hintergründe beschreibt der Artikel über die Industrialisierung des Drucks.

Das 20. Jahrhundert

Im 20. Jahrhundert bekam die Zeitung Konkurrenz: zuerst durch den Hörfunk, später durch das Fernsehen. Sie blieb dennoch ein zentrales Medium für Nachrichten, Meinungen und lokale Informationen. Neben Abonnementzeitungen etablierten sich Boulevardzeitungen im Straßenverkauf, und Illustrierte druckten Fotos in großer Zahl, oft im Tiefdruck. In den westlichen Besatzungszonen durften nach 1945 zunächst nur Zeitungen mit einer Lizenz der Besatzungsmächte erscheinen; daraus gingen viele bis heute bestehende Titel hervor.

Auch die Herstellung änderte sich grundlegend. In den 1970er und 1980er Jahren lösten Fotosatz und Offsetdruck in den Zeitungshäusern den Bleisatz und den Hochdruck weitgehend ab, später folgten computergestützte Redaktionssysteme und die direkte Belichtung der Druckplatten. Gedruckt wird bis heute überwiegend im Rollenoffset auf leichtem, preisgünstigem Zeitungsdruckpapier, das zu einem großen Teil aus Altpapier besteht.

Rückgang der Auflagen und digitaler Wandel

Mit dem Internet verlor die gedruckte Zeitung ihr Monopol auf aktuelle Nachrichten. Leserinnen und Leser informieren sich zunehmend online, und ein großer Teil des Anzeigengeschäfts — besonders Stellen-, Immobilien- und Kleinanzeigen — ist auf digitale Plattformen abgewandert. Die Auflagen gedruckter Zeitungen gehen seit Jahren zurück. Verlage reagieren mit E-Paper-Ausgaben, Bezahlmodellen im Netz und Zusammenlegungen von Redaktionen und Druckereien. Die gedruckte Ausgabe bleibt für viele Titel wichtig, ist aber nicht mehr das einzige Standbein.

ZeitStation
16. Jh.Flugblätter, „Newe Zeitungen“, handschriftliche Nachrichtenbriefe
1605„Relation“ von Johann Carolus in Straßburg
1609„Aviso“ in Wolfenbüttel
1650„Einkommende Zeitungen“ in Leipzig, erste Tageszeitung
1814Die „Times“ auf der Schnellpresse
2. Hälfte 19. Jh.Rotationsdruck, Anzeigenfinanzierung, Massenpresse
1970er/80erFotosatz und Offsetdruck in den Zeitungshäusern
ab 2000erDigitalisierung, E-Paper, sinkende Druckauflagen


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