Geschichte

Geschichte des Farbdrucks: vom Pinsel zu CMYK

Von handkolorierten Holzschnitten über den Chiaroscuro-Holzschnitt, Le Blons Dreifarbendruck und japanische Farbholzschnitte bis zur Chromolithografie und zur genormten Vierfarbskala.

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Heute entsteht fast jedes farbige Druckprodukt aus vier Farben: Cyan, Magenta, Gelb und Schwarz. Dass sich aus wenigen Grundfarben nahezu jeder Farbton mischen lässt, war jedoch lange weder technisch umsetzbar noch theoretisch verstanden. Über Jahrhunderte wurde Farbe entweder von Hand ergänzt oder mit einer eigenen Druckform für jeden einzelnen Ton gedruckt.

Farbe von Hand: Kolorieren und Rubrizieren

Die frühen europäischen Holzschnitte des 15. Jahrhunderts, etwa Heiligenbilder und Spielkarten, wurden meist einfarbig gedruckt und anschließend von Hand koloriert — mit dem Pinsel oder mithilfe von Schablonen. Auch in den ersten gedruckten Büchern blieb Farbe Handarbeit: Rubrikatoren trugen rote Überschriften, Initialen und Auszeichnungen nachträglich ein, ganz wie in Handschriften. Mehr zu dieser Phase lesen Sie im Beitrag über den Druck vor Gutenberg.

Früh gab es aber auch Versuche, Farbe mitzudrucken. Als bekanntes Beispiel gilt der Mainzer Psalter von 1457, gedruckt von Johann Fust und Peter Schöffer: Seine großen Initialen sind in Rot und Blau gedruckt. Der Aufwand war hoch, und für lange Zeit blieb der Mehrfarbendruck in Büchern die Ausnahme.

Chiaroscuro-Holzschnitt und Mehrplattendruck

Anfang des 16. Jahrhunderts entstand der Clair-obscur- oder Chiaroscuro-Holzschnitt. Dabei wurden mehrere Holzstöcke nacheinander auf denselben Bogen gedruckt: eine Strichplatte für die Konturen und eine oder mehrere Tonplatten für Flächen in abgestuften Tönen, oft Braun-, Grün- oder Grautöne. Ausgesparte Stellen der Tonplatte ergaben Lichthöhungen. Das Ergebnis erinnerte an lavierte Zeichnungen auf getöntem Papier. In Deutschland werden frühe Beispiele mit Lucas Cranach d. Ä. und Hans Burgkmair verbunden, in Italien mit Ugo da Carpi.

Das Grundprinzip — eine Druckform pro Farbe, passgenau übereinander gedruckt — prägt den Farbdruck bis heute. Beim Kupferstich versuchte man es teilweise anders: Beim sogenannten À-la-poupée-Verfahren wurde eine einzige Platte mit kleinen Stoffballen stellenweise in verschiedenen Farben eingefärbt. Das erforderte für jeden Abzug erneut viel Handarbeit.

Le Blon und die Idee der Grundfarben

Einen grundsätzlich neuen Ansatz verfolgte der in Frankfurt am Main geborene Maler und Stecher Jacob Christoph Le Blon (1667–1741). Im frühen 18. Jahrhundert entwickelte er ein Verfahren, bei dem ein Bild in drei Farbauszüge zerlegt wurde: Blau, Gelb und Rot. Jede Farbe erhielt eine eigene Kupferplatte in Schabkunst (Mezzotinto), die feine Tonabstufungen erlaubte. Übereinandergedruckt sollten die drei Farben alle übrigen Töne ergeben.

Le Blon arbeitete unter anderem in London und Paris und beschrieb seine Farbenlehre um 1725 in einer kleinen Schrift mit dem Titel „Coloritto“. Er stellte bereits fest, dass sich mit drei Farben allein kein befriedigend tiefes Schwarz erzielen lässt, und ergänzte daher teils eine vierte, dunkle Platte. Wirtschaftlich war sein Unternehmen wenig erfolgreich, das Verfahren blieb aufwendig. Die Idee aber — wenige Grundfarben, getrennt gedruckt und übereinandergelegt — nimmt das Prinzip des heutigen Vierfarbdrucks vorweg.

Parallel in Japan: der Farbholzschnitt

Unabhängig von Europa erreichte der Farbholzschnitt in Japan einen Höhepunkt. Die Bilder der sogenannten Ukiyo-e („Bilder der fließenden Welt“) zeigten Schauspieler, Schönheiten, Landschaften und Alltagsszenen. Um die Mitte der 1760er Jahre setzte sich in Edo, dem heutigen Tokio, der vielfarbige Holzschnitt durch, die sogenannten Nishiki-e („Brokatbilder“); als prägender Künstler dieser Anfangszeit gilt Suzuki Harunobu.

Für jede Farbe wurde ein eigener Holzstock geschnitten, gedruckt wurde ohne Presse durch Abreiben der Bogenrückseite mit einem flachen Reiber, dem Baren. Passermarken an den Rändern der Stöcke, sogenannte Kentō, sorgten dafür, dass der Bogen bei jedem Druckgang an derselben Stelle lag. Im 19. Jahrhundert schufen Künstler wie Katsushika Hokusai und Utagawa Hiroshige berühmte Landschaftsserien. Als japanische Drucke in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts nach Europa gelangten, beeinflussten ihre flächigen Farben und ungewohnten Bildausschnitte viele Künstler und Plakatgestalter.

Chromolithografie: Farbe für die Masse

Im 19. Jahrhundert wurde der Farbdruck zum Massenprodukt, vor allem durch die Chromolithografie. Für jede Farbe wurde ein eigener Stein gezeichnet; aufwendige Blätter benötigten viele Steine und entsprechend viele Druckgänge. Farbige Etiketten, Sammelbilder, Kunstreproduktionen und Plakate wurden so erschwinglich. Die Farben wurden dabei überwiegend als eigene Töne gemischt, nicht systematisch aus Grundfarben aufgebaut. Wie der Steindruck funktioniert, erklärt der Beitrag über Lithografie und Steindruck.

Fotografie, Raster und der Vierfarbendruck

Den Durchbruch zum Farbdruck aus Grundfarben brachte die Kombination aus Farbfotografie und Raster. Schon in den 1860er Jahren hatten James Clerk Maxwell und Louis Ducos du Hauron gezeigt beziehungsweise beschrieben, wie sich Farbbilder aus drei Teilbildern zusammensetzen lassen. Fotografiert man eine Vorlage nacheinander durch farbige Filter, erhält man Farbauszüge. Mit dem Autotypie-Raster, das gegen Ende des 19. Jahrhunderts aufkam, ließ sich jeder Auszug in druckbare Punkte zerlegen.

Um 1900 wurde der Dreifarbendruck zunächst vor allem im Buchdruck praktisch eingesetzt, bald ergänzt um Schwarz als vierte Farbe für Tiefe und Zeichnung. Damit sich die Rasterpunkte der Farben nicht zu störenden Mustern (Moiré) überlagern, werden die Raster der einzelnen Farben in unterschiedlichen Winkeln gedreht — ein Grundsatz, der beim klassischen (amplitudenmodulierten) Raster bis heute gilt. Hintergründe dazu finden Sie im Beitrag zu Rasterung und Auflösung.

Normung: von der Europaskala zu ISO

Solange jede Druckerei ihre eigenen Farben verwendete, sah derselbe Auszug je nach Betrieb unterschiedlich aus. Im 20. Jahrhundert wurden die Prozessfarben deshalb vereinheitlicht. In Europa verbreitete sich die sogenannte Europaskala, die in Deutschland in DIN-Normen festgelegt wurde. Heute sind die Druckfarben für den Offsetdruck und die Sollwerte des Druckprozesses international genormt, insbesondere in den Normreihen ISO 2846 (Farbeigenschaften der Druckfarben) und ISO 12647 (Prozesskontrolle). Zusammen mit ICC-Farbprofilen sorgt das dafür, dass ein Motiv bei verschiedenen Druckereien vergleichbar aussieht.

Sonderfarben: wenn vier Farben nicht reichen

Parallel zur Standardisierung des Vierfarbdrucks entstanden Farbsysteme für exakt angemischte Volltonfarben. Das in den USA entwickelte Pantone Matching System kam in den 1960er Jahren auf und wurde international zur gemeinsamen Sprache zwischen Gestaltern und Druckereien; im deutschsprachigen Raum ist zudem HKS verbreitet. Vor allem für Lacke, Anstriche und Industrieprodukte gibt es mit RAL ein eigenes, aus Deutschland stammendes Farbregister. Wie Sonderfarben heute eingesetzt werden, lesen Sie im Beitrag über Pantone und HKS.

ZeitEntwicklung
15. Jh.Handkolorierte Holzschnitte, rubrizierte Drucke
1457Mainzer Psalter mit gedruckten Farbinitialen
Anfang 16. Jh.Chiaroscuro-Holzschnitt mit Strich- und Tonplatten
frühes 18. Jh.Le Blons Dreifarbendruck in Schabkunst
ab den 1760ernVielfarbiger Holzschnitt (Nishiki-e) in Japan
19. Jh.Chromolithografie als farbiges Massenbild
um 1900Drei- und Vierfarbendruck mit Rastern
20. Jh.Genormte Prozessfarben, Sonderfarbsysteme



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