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Mehr →Zellstoff, Holzschliff, Altpapier und Füllstoffe: So entsteht Papier auf der Papiermaschine — und warum Streichen und Kalandrieren die Druckeigenschaften bestimmen.
Papier besteht im Kern aus einem dünnen Vlies von Pflanzenfasern, die beim Trocknen miteinander verbunden werden. An diesem Grundprinzip hat sich seit Jahrhunderten wenig geändert. Geändert haben sich Rohstoffe, Tempo und Maßstab: Moderne Papiermaschinen sind hallenlange Anlagen, die kontinuierlich breite Papierbahnen erzeugen. Wer die wichtigsten Schritte kennt, versteht besser, warum sich Druckpapiere in Weiße, Oberfläche, Alterungsbeständigkeit und Preis unterscheiden.
Wichtigster Rohstoff ist Holz, genauer die darin enthaltenen Cellulosefasern. Holz besteht neben Cellulose vor allem aus Hemicellulosen und Lignin, das die Fasern verkittet. Wie das Holz aufgeschlossen wird, entscheidet über die späteren Papiereigenschaften.
Die Begriffe sind etwas irreführend, denn auch holzfreies Papier stammt meist aus Holz. Gemeint ist: Holzfreies Papier besteht im Wesentlichen aus Zellstoff und enthält allenfalls einen sehr geringen Anteil verholzter Fasern. Holzhaltiges Papier enthält dagegen nennenswerte Mengen Holzschliff. Es ist günstiger und wird etwa für Zeitungen, Zeitschriften und Kataloge verwendet, bei denen Alterungsbeständigkeit keine große Rolle spielt. Für Bücher, Abschlussarbeiten, Briefpapier und hochwertige Drucksachen ist holzfreies Papier die Regel.
Faserstoff, Füllstoffe und Hilfsstoffe werden zunächst mit sehr viel Wasser zu einer dünnflüssigen Suspension vermischt. Am Anfang der Maschine besteht diese zu rund 99 Prozent aus Wasser. Die eigentliche Papiermaschine hat die Aufgabe, dieses Wasser Schritt für Schritt zu entfernen und dabei eine gleichmäßige Faserbahn zu bilden.
In vielen Maschinen ist zusätzlich innerhalb der Trockenpartie eine Leimpresse integriert, die die Oberfläche mit Stärke oder anderen Mitteln behandelt, um sie fester und weniger saugfähig zu machen.
Für Bilderdruckpapiere wird die Rohpapierbahn anschließend gestrichen. Eine Streichfarbe aus Pigmenten wie Calciumcarbonat oder Kaolin, Bindemitteln und Zusätzen wird aufgetragen und überschüssige Masse abgerakelt. Das kann direkt in der Papiermaschine oder in einer separaten Streichmaschine geschehen, einmal oder mehrfach. Der Strich schließt die Oberfläche: Druckfarbe bleibt oben liegen, Farben wirken brillanter und Details schärfer. Wie sich gestrichene und ungestrichene Papiere im Druck unterscheiden, erklärt ein eigener Artikel.
Im Kalander läuft das Papier durch Spalte zwischen Walzen, die es unter Druck und oft unter Wärme glätten. Zusammen mit der Rezeptur des Strichs bestimmt die Intensität dieser Behandlung, ob eine matte, seidenmatte oder glänzende Oberfläche entsteht. Stark satinierte Papiere sind glatter und glänzender, werden dabei aber dünner — bei gleicher Grammatur hat ein glänzendes Bilderdruckpapier daher ein geringeres Volumen als ein mattes oder ungestrichenes Papier. Neben dem dichten, mineralischen Strich ist das ein Grund, warum sich ein 135-g/m²-Glanzpapier dünner anfühlt als ein Naturpapier gleicher Grammatur.
Zum Schluss wird das Papier ausgerüstet: Die Maschinenrollen werden in schmalere Rollen für den Rollendruck umgewickelt oder in Bögen für den Bogendruck geschnitten, sortiert und verpackt. Beim Schneiden wird festgelegt, ob die Fasern parallel zur langen oder zur kurzen Bogenkante verlaufen — ein Detail, das für das Falzen und Binden entscheidend ist und im Artikel zur Laufrichtung genauer erklärt wird.